scholle

Textilskulptur / Buch

von Verwerfungen umgrenzter Teil der Erdkruste / Kurzform für Eisscholle / Fisch / beim Pflügen umgebrochenes Stück Erde / landwirtschaftlich nutzbarer Boden / Ackerland / Heimat

Installationsansicht im Regierungspräsidium Kassel in der Abteilung ,,Verkehr, Planung, ländlicher Raum‘‘, wo auch heute noch Wohngebiete geplant werden. (Ausstellung Interventionen 2012)

Ich wurde am 20. Juni 1987 geboren und wuchs in einem kleinen Dorf im hessischen Spessart auf dem Bauernhof meiner Eltern auf. Das Dorf, mit gerade mal vierzig Häusern ist gänzlich von Wald umschlossen. Ein Bus fuhr dort nur zweimal am Tag, zur Schule hin und wieder nach Hause und aufgrund des Bauernhofes fuhren wir nie ins Ausland in den Urlaub. Meine Kindheit war also geprägt vom Leben mit den Kühen, Ziegen, Hühnern, Gänsen, Hunden und Katzen, der Landschaft und den damit einhergehenden existentiellen Themen von Werden und Vergänglichkeit. Die meiste Zeit verbrachte ich mit meiner Familie und einer besonderen Freundin auf dem Hof, auf den Wiesen und im Wald. Das Besondere an diesem Ort war, das trotz seiner Idylle und Isolation, das urbane, ja sogar das globale Leben zum greifen nah erschien. Denn von dem Dach unserer Scheune konnte man die Skyline Frankfurts sehen, und ständig sah man am Himmel über uns Flugzeuge aus aller Welt, die am Flughafen starteten und landeten.

Mein Großvater wuchs in einem kleinen Ort in der Nähe von Kassel auf, seine Familie lebte seit vielen Generationen in der Region. Im Alter von 21 Jahren, also im selben Alter wie ich, als ich nach Kassel kam, musste mein Großvater mit seiner Familie aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse dieser Zeit Nordhessen prompt verlassen. Auf Erlass der damaligen Regierung des Regierungsbezirks Kassel wurde in den 1930er Jahren im Vorspessart ein größeres Stück Wald gerodet und dort eine Siedlung gegründet, um die Nahrungsmittelversorgung des Volkes zu gewährleisten. Einen dieser Höfe, bezog die Familie meines Großvaters. Noch heute träumt mein Opa von dem Ort seiner Kindheit in Nordhessen. Ahnlich geht es mir, gleichwohl ich meine Heimat freiwillig verlassen habe.

Waldrode ist ein Stück meiner inneren Realität geworden…

,,Die geduldige, schwierige, hingebungsvolle Arbeit, der es für die Herstellung eines Teppichs bedarf, ist auch erforderlich, um die paradoxe Fähigkeit zu erlangen, das Bewusstsein zu transzendieren und zugleich nicht von der Stelle zu weichen.‘‘ (1)

Danke

an meinen Großvater Walter, meine Mutter Anette und meinen Vater Werner, meine Geschwister Angelia und Elias, meine Freunde Lisa, Beate, Agnetha, Jana, Stefan, Anna- Katharina und Michael, Elmar Kunert, der erstmals Zeitdokumente über Waldrode gesammelt hat, meine Professorin Mathilde Ter Heijne, Barbara Hieronymi und Kerstin Jost-Eisenberg, den Teppich der 30 Jahre auf unserer Treppe lag und Dirk.

(1): A. Ronnberg, K. Martin (Hrsg.) 2011: Teppich. In: Buch der Symbole – Betrachtungen zu archetypischen Bildern. Köln: Taschen-Verlag

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